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Rezension Helmuth Schönauer 16/06/08

TIROLER GEGENWARTSLITERATUR 1079
der Hut, das Wasser, die Liebe


Wie lassen sich so lebenswichtige Dinge wie ein Hut, das Wasser und die Liebe unter einen Hut bringen? Funktioniert es vielleicht so nach dem Spiel „Schere, Stein Papier?“
In der Erzählung von Magdalena Kauz kommen die Dinge des Lebens sehr vorsichtig frei gekratzt zum Vorschein. Oft wird etwas nur angedeutet, ab und zu sieht man nur einen Ausschnitt, manchmal gibt es keinen zweiten Satz, wenn der erste schon üppig genug ist.
Eine Hutmacherin verbringt ihre Arbeitszeit in ihrer kleinen Filzwerkstatt, zwischendurch blickt sie durch das Fenster hinaus wie durch ein Kamera-Objektiv, manchmal macht das Bild tatsächlich klick, wenn die Proportionen stimmen. Allmählich leistet sich die Erzählerin eine Ich-Perspektive und kommentiert in kleinen Bemerkungen die Vorgänge in der großen und kleinen Welt.
„Ob sich manche Frauen deshalb schlagen lassen, um Hände zu spüren?“ (12)
Der Freund der Erzählerin arbeitet in der Baubranche, freut sich, wenn sichtbar was weiter geht und hat eine Freundin. Ab und zu schaut die Hutmacherin an seinem Handy-Display nach, was Sache ist, während der Bau-Mann schläft.
Die Erzählerin ist es gewohnt, dass nicht immer alles so ist, wie es gesagt wird. Ihr Vater ist gleich einmal abgehauen, der Reservevater hat ihr seinen Namen drüber gestülpt, die wichtigen Dinge werden nie besprochen. Letztlich ist es egal, ob ihr Freund eine Freundin hat, die Kurznachrichten am Display sind immer poetisch, aber auch ein wenig verlogen. Zwischendurch ist alles ein semantischer Filz, mit dem man bestenfalls einen Hut machen kann.
Einmal nistet sich eine kluge Maus im Atelier ein, sie nimmt nur Filzreste zum Bau des Nestes und lässt die Hüte in Ruhe. Aber die Putzfrau stellt eine Mausefalle auf und beseitigt damit die kluge Maus. Hätte man der Putzfrau einen Wink geben sollen, die Maus in Ruhe zu lassen, soll man die Karten aufdecken, wenn man in einer Dreiecksgeschichte ein gutes Blatt hat?
Auf einem Spaziergang taucht dann noch der Wassertrinker auf, echtes Wasser muss man aus der hohlen Hand trinken, heißt sein Credo.
Die Hutmacherin verlässt dann doch ihren Bau-Menschen, mietet sich hinter dem Atelier zwei Zimmer an und führt Wohn- und Arbeitssinn zusammen.
Magdalena Kauz erzählt in einer fast fröhlich verknappten Sprache vom Ablauf der Beziehungen, dem Zusammenspiel der Lebenselemente und von den kleinen Handgriffen, die es braucht, um mit der glatten Schale der Sehnsüchte ein Auskommen zu finden. Wunderbar still, zurückgenommen und elementar klar kommen hier der Hut, das Wasser und die Liebe zusammen auf eine Linie, die plötzlich Sinn macht.

Magdalena Kauz, geb. 1963, lebt in Zürich.
Helmuth Schönauer 16/06/08


Helmuth Schönauer
Universitäts- und Landesbibliothek Innsbruck
Öffentlichkeitsarbeit / PR und Ausbildung
Büro für Öffentliches Bücherei- und Bibliothekswesen
Innrain 50
6020 Innsbruck
helmuth.schoenauer@uibk.ac.at

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Zuletzt aktualisiert: 27. Dez, 16:18

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