[>>]

2. Rezensionen

Besprechung

von "der Hut das Wasser die Liebe" in der Wiener Zeitung von Markus Bundi. Hier

und ebenso in der Aargauer Zeitung vom 25.7.08.

Rezension Anna Rottensteiner, Literaturhaus Innsbruck

hier


oder so:

Magdalena Kauz: der hut, das wasser, die liebe. Erzählung
Kyrene Verlag 2008


Magdalena Kauz’ Erzählung lässt sich als zeitgenössische und literarische Annäherung an das Thema „Paare“ lesen. Als moderne Variante der märchen-haften Suche nach dem Glück. Selbstverwirklichung, Rebirthing, Kinderwunsch, Berufstätigkeit, Liebe, Single-Dasein – alles scheint möglich zu sein, irgendwie, und gerade deshalb: Wenn alles möglich ist, was will man wirklich?
Die Ich-Erzählerin, eine namenlose Frau, ist erfolgreiche Hutmacherin mit eigenem Atelier. Sie kreiert „Hüte mit bunten Federn, die traurige Frauen lustiger aussehen lassen.“ Sie liebt das Organische, Pflanzen, Tiere; eine Maus ist nur ihr bekannte Mitbewohnerin im Atelier, die ihr Reich, so imaginiert die Ich-Erzählerin, mit Fäden und Knöpfen ausschmückt. Der Partner der Ich-Erzählerin ist Architekt, er liebt klare Linien und Formen und hasst Grün in jeglichen Varianten, was wiederum ihre Lieblingsfarbe ist. Ein Paar, unterschiedlich und dennoch zusammen. Bis sich bei ihr der Verdacht einschleicht, er betrüge sie.
Da ist das alte Bauernpaar, das in seiner alltäglichen Eintracht in der Ich-Erzählerin ein vages Gefühl nach Glück weckt. Modern und selbst-reflexiv wie sie ist, enttarnt sie es selbst sofort als Illusion.
Da ist das Paar, das sie auf ihrer Reise, auf der sie sich Klarheit über ihre Beziehung verschaffen will, vom Fenster ihres Hotels aus beobachtet. Der Künstler, der ihr von seinen Paar-Verhältnissen erzählt. Die Erinnerungen an die Paar-Konstellation von Mutter und Vater.
„Mal aus der Subjektiven, mal sehe ich mich selber von außen.“ An dieser Schnittlinie entlang bewegt sich die Bewegung der Erzählung. Quadrate und Rechtecke – Ausschnitte der Welt, eingefangen in geometrisch exakte Formen, durchziehen dabei die ästhetische Konstruktion der Erzählung, sei es das Quadrat des Atelierfensters oder das Rechteck des Fernsehers, durch die die Welt zur Ich-Erzählerin dringt. Eine Konstruktion, die am Brotberuf der Autorin geschult ist: als Filmemacherin wesentliche Bilder in ihrer Konzentriertheit festzuhalten und dort, wo es nötig ist, Schnitte zu setzen und neu zusammenzufügen. Reflexive Sequenzen, Träume, Beobachtungen und Erzähltes fügen sich so zu einem Mosaik zusammen, das von der Prägnanz und Kürze des Ausdrucks lebt, in dem ein Steinchen der Bedeutung des Anderen eine neue Variante oder Variation hinzufügt. Distanz und Engführung halten sich dabei die Waage.
Soweit erhellen sich die ersten beiden titelgebenden Wörter: der Hut, konkret der Beruf der Ich-Erzählerin, der aber auch Metapher für den Schutz des Kopfes gelesen werden kann, und die Liebe: thematische Klammer der Erzählung. Was aber hat es mit dem Wasser auf sich? Gegen Ende der Erzählung macht sich die Erzählerin in einen verwunschenen Wald auf und trifft dort bei einer Quelle den „Wassertrinker“, dessen Lebensinhalt in der leidenschaftlichen Verkostung von Wasser besteht. Ihm begegnet sie wieder, nachdem sie sich, nach Hause zurückgekehrt, von ihrem Lebenspartner trennt und ein neues Leben beginnt: vor dem Bild „The End and the Beginning“ des amerikanischen Künstlers Eric Fischl. Wasser als ursprüngliches Element, dessen Qualität sich in ein absolutes „Schlecht“ oder ein ebenso fragloses „Gut“ einteilen lässt. Ist dasselbe bei der Liebe möglich?
Eine Frage, die sich die Ich-Erzählerin stellt, auf die aber wohl jeder selbst seine Antwort finden muss.

Anna Rottensteiner

Rezension Helmuth Schönauer 16/06/08

TIROLER GEGENWARTSLITERATUR 1079
der Hut, das Wasser, die Liebe


Wie lassen sich so lebenswichtige Dinge wie ein Hut, das Wasser und die Liebe unter einen Hut bringen? Funktioniert es vielleicht so nach dem Spiel „Schere, Stein Papier?“
In der Erzählung von Magdalena Kauz kommen die Dinge des Lebens sehr vorsichtig frei gekratzt zum Vorschein. Oft wird etwas nur angedeutet, ab und zu sieht man nur einen Ausschnitt, manchmal gibt es keinen zweiten Satz, wenn der erste schon üppig genug ist.
Eine Hutmacherin verbringt ihre Arbeitszeit in ihrer kleinen Filzwerkstatt, zwischendurch blickt sie durch das Fenster hinaus wie durch ein Kamera-Objektiv, manchmal macht das Bild tatsächlich klick, wenn die Proportionen stimmen. Allmählich leistet sich die Erzählerin eine Ich-Perspektive und kommentiert in kleinen Bemerkungen die Vorgänge in der großen und kleinen Welt.
„Ob sich manche Frauen deshalb schlagen lassen, um Hände zu spüren?“ (12)
Der Freund der Erzählerin arbeitet in der Baubranche, freut sich, wenn sichtbar was weiter geht und hat eine Freundin. Ab und zu schaut die Hutmacherin an seinem Handy-Display nach, was Sache ist, während der Bau-Mann schläft.
Die Erzählerin ist es gewohnt, dass nicht immer alles so ist, wie es gesagt wird. Ihr Vater ist gleich einmal abgehauen, der Reservevater hat ihr seinen Namen drüber gestülpt, die wichtigen Dinge werden nie besprochen. Letztlich ist es egal, ob ihr Freund eine Freundin hat, die Kurznachrichten am Display sind immer poetisch, aber auch ein wenig verlogen. Zwischendurch ist alles ein semantischer Filz, mit dem man bestenfalls einen Hut machen kann.
Einmal nistet sich eine kluge Maus im Atelier ein, sie nimmt nur Filzreste zum Bau des Nestes und lässt die Hüte in Ruhe. Aber die Putzfrau stellt eine Mausefalle auf und beseitigt damit die kluge Maus. Hätte man der Putzfrau einen Wink geben sollen, die Maus in Ruhe zu lassen, soll man die Karten aufdecken, wenn man in einer Dreiecksgeschichte ein gutes Blatt hat?
Auf einem Spaziergang taucht dann noch der Wassertrinker auf, echtes Wasser muss man aus der hohlen Hand trinken, heißt sein Credo.
Die Hutmacherin verlässt dann doch ihren Bau-Menschen, mietet sich hinter dem Atelier zwei Zimmer an und führt Wohn- und Arbeitssinn zusammen.
Magdalena Kauz erzählt in einer fast fröhlich verknappten Sprache vom Ablauf der Beziehungen, dem Zusammenspiel der Lebenselemente und von den kleinen Handgriffen, die es braucht, um mit der glatten Schale der Sehnsüchte ein Auskommen zu finden. Wunderbar still, zurückgenommen und elementar klar kommen hier der Hut, das Wasser und die Liebe zusammen auf eine Linie, die plötzlich Sinn macht.

Magdalena Kauz, geb. 1963, lebt in Zürich.
Helmuth Schönauer 16/06/08


Helmuth Schönauer
Universitäts- und Landesbibliothek Innsbruck
Öffentlichkeitsarbeit / PR und Ausbildung
Büro für Öffentliches Bücherei- und Bibliothekswesen
Innrain 50
6020 Innsbruck
helmuth.schoenauer@uibk.ac.at

Rezension Wiener Literaturarchiv zu "der Hut, das Wasser, die Liebe"

hier

Rezension Innsbrucker Literaturarchiv

Es heißt, Lyrik solle man ein paar Tage absinken lassen, um nachher den Bodensatz zu verkosten, ob er wohl noch genießbar sei.
Die gebürtige Luzernerin Magdalena Kauz, Jahrgang 1963, die in Innsbruck, Basel und Zürich lebt, lässt in ihrem Lyrikband den Leser in ein „wortgestöber“ hineinschauen, das zuweilen so dicht ist, dass man die eigene Hand vor dem Gesicht nicht mehr zu sehen glaubt:
„worte
jagen über
seiten
prallen an
ränder
schnellen ins weiss
kann sie nicht halten
schiessen los
machen flecken
als wüssten sie schon“,
heißt es im ersten Gedicht. In den darauf folgenden knapp gehaltenen lyrischen Skizzen klart es nach ungestümem Sprachtreiben immer wieder auf. Farbflocken leuchten kurz auf, die man rasch mit der Zunge von der Haut leckt, bevor sie zergehen. Nicht nur in den Kapitelüberschriften lässt sich eine subjektiv getönte Farbskala entdecken („durch grün“, „manche schwarz“, „heft rot“, „staub gelb“, „alles weiss“, „gezückte röte“, „kleines blau“, „ohr rosen“, „ocker stein“), Farbstimmungen ziehen sich auch durch die Verse. Manchmal verdunkelt von Schatten, wenn „relative vergangenheit“ zu Tage tritt, manchmal erhellt von einem jähen Schlaglicht, wenn nach „dem sturz der türme“ der „betrachtungswinkel“ ein anderer ist.
Kauz ist Fernsehdramaturgin, Filmemacherin und Mitorganisatorin des Literaturfestivals „Sprachsalz“ in Hall in Tirol. Literarisches hat sie bislang in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Mit „wortgestöber“, das sich auch als Stöbern in der Welt der Worte oder als ein mit Worten in der Welt Stöbern lesen lässt, hat sie ihren Bucherstling vorgelegt. Dem lyrischen Ich, das darin sporadisch auftaucht, hat sie eine Vorliebe fürs Zugfahren verliehen. Jenes beobachtet gerne „mitreisende“ und versteht sich als „grenzgängerin“: „
im zug
rückwärts
über die grenze
von zuhause weg
nach hause“.
Kauz’ Gedichte sind aber keine Ruhekissen, an die man sich anschmiegt, um Erschütterungen beim Bahnfahren zu dämpfen, sondern sie markieren irritierende Momente aus dem Wahrnehmungsraum einer Reisenden, die innehält, um zweimal hinzuschauen. Sei es in der eigenen oder in der fremden Fremde: in Innsbruck, in der Ostschweiz, im Schwarzwald, in München, Rom, Paris oder Tokio; im Zugabteil oder auf einem Wasserturm, in der Sauna oder auf der Kirchenbank. Eine nüchterne Hinwendung zur banalen Lebenswelt - dennoch „beinahe abergläubisch“ und in der Hoffnung auf „1 zeichen & 1 wunder“ - lässt sich ausmachen. Da sind Erinnerungen an eine Mutter, „wie sie da steht und winkt“ oder wie sie sich auf dem Bett weich geschlagene Kohlblätter gegen die Schmerzen im Knie umbindet oder wie sie vor Jahren den gleichen Bergweg am Säntis gegangen ist:
„meine heimat
ihre heimat
unser kissen
aus steinbrech“.
Da ist die Annäherung an einen „vater, verloren“, der nie von der Seite weicht. Ein sachte Sehnsucht nach den zarten Schwingungen der Liebe macht sich zwischen den Zeilen bemerkbar: „
licht fleckt
auf mein kissen
eine stunde
glück
ohne mühe“
– ohne Scheu vor heftigem Zugriff im „tango“: „
mich
dir in den schritt
spreizen
und
dich
herzen
ja immer
wieder
herzen“.
Kauz scheint gegen „sprachlosigkeit“, so der Titel eines Gedichts, anzuschreiben, wenn die Worte „in / mir wie die haken einer angel“ hängen und „meine fische zitterten“, zugleich gegen die elektrisierende Gewalt von Wortströmen:
„da haltet ihr still / den eisenmund / der flüsternd / alles beherrscht“. Ihr Schreiben ist wohl auch ein Anschreiben gegen die Unsicherheit der eigenen Emotion, das „mein herz versichert“. Der ab und an allzu beherzte Versuch, die „stimmen / in meinem herzalbum“ mit „herztinte“ festzuhalten, setzt sich fort bis zum letzten Gedicht des Lyrikbandes, wo es heißt: „letztendlich / ruhig geworden / unruhe ans herz gebettet“. Das Nachwort, vielmehr: wörter kleingeschrieben in 1 größeres der w:orte, hat José F. A. Oliver verfasst, u.a. Chamisso-Preisträger 1997.

Ingrid Fürhapter
Magdalena Kauz, wortgestöber.
Innsbruck: Skarabaeus, 2005. 125 S.

Rezension Helmuth Schönauer

Rezension: Magdalena Kauz, wortgestöber


Wortgestöber! Da ist man als Leser sofort drin in einer heftig aufgerührten Landschaft, wie sie vielleicht Paul Flora durch die Winter schickt, oder man denkt an ein Kinderlied, wo es draußen heftig zugeht und drinnen in „Muaters Stübele“ sitzt die Wärme.

In den Gedichten von Magdalena Kauz stürmt es von Anbeginn heftig, das erste Gedicht fetzt ohne Punkt über die blanke Seite, „worte / jagen über / seiten / prallen an / ränder / schnellen ins / weiss // kann sie nicht halten / schiessen los / machen / flecken / als wüssten sie schon // wortgestöber“ (5) Ähnlich ungestüm springen Strommasten in die Landschaft, löst sich jäh eine Fasnacht von den Häuserzeilen oder stolpert der Komiker vom Silvestersketch ewig aufgeregt über das Tigerfell.

Aber auch die sachten Gesten entwickeln diesen überraschenden Griff, mit dem während des Tangos die Erotik einspringt mitten im Schritt oder ein Dichter der zarten Handschrift jäh an Herzversagen stirbt. Die Gedichte sind in thematischen Becken ausgebreitet, die mit Buchstaben durchnummeriert sind, dabei spielen jeweils Farben der Empfindung eine einstimmende Rolle, es gibt ein rotes Heft, einen ocker Stein der Erinnerung oder „alles weiss“.

Das lyrische Ich tritt nur sporadisch auf, aber es reist sehr viel, nicht nur in Länder sondern auch in Kulturtechniken. So treten die Gedichte oft im Kleid von abgestorbenen Schlagzeilen auf, manchmal rücken Fragmente einer halb verrotteten Parole kurz ins Bewusstsein oder ein Satz bleibt in der Abspielmaschine hängen und macht sich selbst verrückt. Das Wortgestöber setzt verlässlich dann ein, wenn das Sprachwetter geglättet erscheint.

Die Gedichte von Magdalena Kauz sind zart und spitz wie Wetterkristalle, die sich als weicher Schnee oder scharfer Hagel auswachsen können. In der oft samtig unscharfen Grundszenerie wirken die intellektuell ausgefeilten Sprachschlieren umso schärfer, wenn sie in Kritik von Kulturabläufen oder politischen Zuständen münden. Die Gedichte sind sorgfältig aufgebaut wie Short Cuts im Film, nichts geschieht zufällig und dennoch wirkt es letztlich easy. Hier ist es einer Meisterin der Filmdramaturgie gelungen, die Erfahrung aus der Filmkunst unauffällig schön in die Lyrik zu übertragen.

Magdalena Kauz: wortgestöber. Lyrik.
Innsbruck: Skarabaeus 2005. 125 Seiten. EUR 14,-. ISBN 3-7082-3189-9. Magdalena Kauz, geb. 1963 in Luzern, lebt als Fernsehdramaturgin in Innsbruck, Basel und Zürich.

St. Galler Tagblatt; 22.06.2005

Im Zug rückwärts nach Hause

Säntis-Lyrik im «Wortgestöber» von Magdalena Kauz

Gibt es das noch im «Wortgestöber» zeitgenössischer Lyrik: das Lob eines «Bergs in der Ostschweiz»? Wer liest, der findet. Findet ein diskretes Säntis-Lob zusammen mit einem schönsten Mutter-Gedanken.
Rainer StÖckli

Manches moderne Gedichtbuch führt weit in die Welt. Der jüngste Lyrik-Querschnitt von Elisabeth Heck versammelt Texte, welche Reisen in die Bretagne, nach Irland, Peru, Algerien, Chile, Tahiti, Andalusien verdankt sind, Reisen auch in die Ukraine und immer wieder nach Italien. Die Methode, Gedichte aus dem Reisegepäck zu veröffentlichen, dürfte man auch Magdalena Kauz nachweisen. Sie hat ihren Erstling vorgelegt. Zu ihrer Vita informiert der Buchdeckel: die Autorin sei «geboren 1963 in Luzern», lebe «in Innsbruck, Basel und Zürich». Binnen kurzem weiss Kauz’ Leserin dann aber mehr: die Lyrikerin weilte auch in Tokio, in München, in Rom, im Schwarzwald - und immer wieder in Frankreich und immer wieder in der Ostschweiz.

Im Kopf naht die Schweiz
Wär unser Lebensraum für Magdalena Kauz das Mutterland? Ich schöpfe die Antwort - die Zustimmung - aus dem Gedichtwerk der Autorin. Nicht fahrlässig, weil mir die Bezüge so passen. Sondern weil die Lyrikerin in manchem ihrer Texte mit Ort, Region, Daseinsraum oder Reisedestination genau ist. Genau mit der Geografie ihrer Gedichte, genau mit der Situierung ihres Erlebnisberichts. Das Zürcher Tram, die Kirchenbank, das Reisebüro, das Eisenbahnabteil, ein Restaurant zum Löwen, ein Wasserturm über einer Stadt sind Kauz’ Spielorte oder Schauplätze.

Auch die Wege da hin oder dort her geraten ins Gedicht. In der Abteilung A mit der Überschrift «durch grün» (mittels Farbangaben ordnet die Verfasserin ihre Zusammenstellung der Gedichte), deutet Kauz Momente während der Zugfahrt Paris-Basel an - und wir Leser werden aus dem Text verabschiedet mit der Konfidenz, baselwärts regne es, im Kopf aber nahe die Schweiz.

Wer so reist, ausreist, kehrt, umkehrt; wer so in die oder das Fremde sich begibt und so ins Angestammte wiederkehrt, der ist imstand, Gedenken und Herkunft und Verwurzelung mustergültig zu verdichten. Kauz tut es in «Wortgestöber» - so heisst ihr kürzlich in Innsbruck erschienenes Buch - mindestens viermal.

Im Kopf die Heimat
Die Textsammlung ist «Anna» gewidmet, ihrer Mutter, die je und je gesagt habe, Träumen sei gesund. Zu den Träumen gehört offenbar der Singsang der heimatlichen Wörter: Kauz zählt «Churfirsten» auf und «Ankeblueme», «Chälbli» und «Vorhängli». Der Säntis, während die Reisefertige «im zug / rückwärts / über die grenze / von zuhause weg / nach Hause» fährt, - das Haupt des Alpsteins bleibt der Grenzfahrerin Angelpunkt «und mitte / zwischen / zwei birnbäumen».

Und in einem vierten Ansatz ist das Lob des Ostschweizer Hausbergs wortwörtlich komponiert. Unter Einbezug des Muttergedenkens und wieder mit der Sprachgeste eines Bekenntnisses. Ist sie, die Mutter, welche diesen oder jenen Bergweg am Säntis vor Jahren auch gegangen sei, - ist sie vielleicht auf denselben Stein getreten, «der klickend / nachschwingt / meinem tritt»? Und hat sie, die Mutter, in dieser ihrer innersten Heimat, welche auch Magdalena Kauz als Heimat gilt, - hat sie vielleicht die Dohlen gehört und geschaut, welche die Berggängerin umkreisen? Auf solche Fragen keine sichere Antwort, aber Versöhnung! Es gibt für die erinnerte Mutter und für die Gedächtnis haltende Tochter ein gemeinsames Kissen: «unser kissen / aus steinbrech».

Magdalena Kauz: Wortgestöber. Mit einem nachwortenden Aufsatz von José F. A. Oliver. Skarabäus, Innsbruck 2005, Fr. 21.90

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Status

Online seit 673 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 27. Dez, 16:18

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this topic

twoday.net AGB